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Die Caritas-Wanderausstellung war im Osterather Seniorenheim zu Gast

Großformatige Porträts, Fotos und Kommentare der befragten Hundertjährigen sind in der Ausstellung zu sehen.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 41/2015

Zuversichtliche Hundertjährige

Wanderausstellung des Caritasverbandes machte Station im Osterather Caritas-Seniorenheim

Für die Hundertjährigen in den caritaseigenen Seniorenheimen interessierte sich der Caritasverband Köln. Die entstandene Fotoausstellung war nun in Osterath zu sehen, wo auch eine der porträtierten Personen lebt.

Mehr als 15000 Menschen in Deutschland sind über hundert Jahre alt, viele davon noch geistig rege. Der Caritasverband Köln fragte in 150 stationären Pflegeeinrichtungen nach und führte Gespräche mit den ältesten Bewohnern. Ihre Geburtsdaten liegen zwischen 1911 und 1913. Entstanden ist eine Wanderausstellung, die nun für je einige Wochen in verschiedenen Städten zu sehen ist. Zehn Stelltafeln zeigen Porträts und Zitate aus den Interviews. Die kompletten Lebensgeschichten sind in einer Broschüre nachzulesen.

 

Jeden Tag vier Kilometer zu Fuß zur Schule gelaufen

Eine der befragten Personen ist Johanna Rockstroh. Sie wurde im Juni 103 Jahre alt und lebt im Osterather Caritas-Seniorenheim Hildegundis von Meer. Geboren wurde sie bei Königsberg in Ostpreußen. Ebenso wie ihre fünf Geschwister stand sie morgens um drei Uhr auf und half den Eltern, die rund 100 Kühe zu melken. Anschließend gingen die Kinder zu Fuß zur vier Kilometer entfernten Schule. Im Zweiten Weltkrieg musste die Familie fliehen und wurde dabei an verschiedene Orte zerstreut. Ein jüngerer Bruder kehrte nicht aus der Gefangenschaft zurück. Er hatte seinen Platz für die Heimreise einem Familienvater geopfert.

Auch ihr Ehemann fiel im Krieg und sie blieb mit ihren beiden Kindern allein. Wieder fand sie Arbeit bei einem Bauern und ist stolz: „Ich musste nie betteln, habe immer gearbeitet.“ Bei einem Bruder, der schon vor dem Krieg nach Osterath gezogen war, trafen Eltern und Geschwister nach einem halben Jahr wieder zusammen. Heute nimmt Johanna Rock- stroh gern Anteil am Leben ihrer Kinder, Enkel und Urenkel. Sie verfolgt die Nachrichten und liest mit Interesse die Tageszeitung. „Es ist schlimm, dass es Krieg, Flucht und Vertreibung immer noch gibt“, findet sie, die all das selbst erlebt hat. Darum spende sie für Flüchtlinge.

 

Bewohner stellten Dinge des Alltags zur Verfügung

In Osterath wurde die Fotoausstellung ergänzt durch zwei Thementische. Bewohner des Heims hatten dazu Erinnerungsstücke aus ihrem persönlichen Besitz zur Verfügung gestellt. Ein Zeugnis von 1932, Tintenglas und Feder, Ledertornister, Schreibtafel mit Griffel und Schwämmchen und Bücher erinnern an die Ausrüstung damaliger Schüler. Auf dem Tisch der Haushaltsgegenstände sticht eine liebevoll verzierte Kinderschürze heraus. „Sie gehört einem jetzt 91-jährigen Bewohner“, erklärt Lydia Wisner vom Sozialdienst des Heimes. Seine Mutter hatte Aussprüche des Kindes in sauberer Sütterlinschrift darauf gestickt. Insgesamt blicken die Hochbetagten gelassen auf ihr Leben zurück und strahlen Zuversicht aus. Vom 19. bis 30. Oktober ist die Ausstellung im Heim Marialinden in Overath zu sehen. Die Interviews sind einsehbar unter www.100-Jahre-Leben.com


Von Regina Kraus

Veröffentlicht am 07.10.2015

 
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