Kirche in der Region Krefeld
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Die Yunus-Emre-Moschee in Krefeld-Stahldorf erhält ein neues Minarett

Ein ehemaliges Fabrikgebäude wurde in den 90er Jahren zu einer Moschee umgebaut, die viele Menschen im Gebet vereint.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 44/2015

Kleines, stilles Minarett in Krefeld

Die Yunus-Emre-Moschee in Krefeld-Stahldorf erhält ein modernes Minarett von 25 Metern Höhe

Vor einem Jahr erfolgte die Grundsteinlegung, nun ist das Minarett der Yunus-Emre-Moschee in Krefeld fast fertig. Planung und Bau wurden in gutem Miteinander der Religionsgemeinschaften, Behörden und Anwohner durchgeführt.

 „Die Grundsteinlegung haben wir bewusst auf den Tag der deutschen Einheit gelegt“, sagt Mehmet Demir, der Vorsitzende der islamischen Gemeinde im Stadtteil Stahldorf. An der Einheit in Deutschland seien nämlich alle hier lebenden Nationen beteiligt. Auch die Form des Minaretts soll das Miteinander der Kulturen betonen: Die obere Hälfte des 25 Meter hohen Turmes besteht aus zwei ineinandergreifenden Zylindern. Beide enden in einer Schrägung und symbolisieren durch ihre Ausrichtung die gleichzeitige Öffnung nach Osten und Westen. Eine Stahltreppe im Inneren führt zu der Aussichtsplattform in 12,5 Metern Höhe. Auch für die Fassade hat der türkische Architekt Tayfun Atilir, ein gebürtiger Krefelder, Stahl gewählt. Durch das filigrane Lochmuster werden LED-Lampen strahlen. „Wahrscheinlich nicht ganz so bunt wie im Modell“, fügt Demir hinzu.

Das Material Stahl sei eine Widmung an Stahldorf, wo in den 60er Jahren die ersten „Gastarbeiter“ in der Stahlindustrie beschäftigt waren. Mit ihren Familien prägten sie die Entwicklung des Stadtteils. Anfangs gab es einen provisorischen Gebetsraum, der bald zu klein wurde. 1995 konnte die Gemeinde das 2000 Quadratmeter große Grundstück kaufen und das darauf stehende Fabrikgebäude umgestalten. Heute hat sie rund 330 Mitglieder. „Mit Angehörigen sind das rund 1000 Personen“, schätzt Demir. Auch Studenten der gegenüberliegenden Fachhochschule und muslimische Flüchtlinge nutzten den Gebetsraum.

 

Planung mit Arbeitskreis Stahldorf abgestimmt

Von Beginn der Planung an waren die Anwohner und örtlichen Religionsgemeinschaften beteiligt. „Es gibt den Arbeitskreis Stahldorf“, berichtet Renate Kloss von der katholischen Gemeinde St. Bonifatius in der Pfarrei Maria Frieden. Vertreter von Bürgerverein, Kindergarten, Schulen, Polizei, Jugendamt, der islamischen und der christlichen Gemeinden kommen regelmäßig zusammen, um die Belange des Zusammenlebens zu besprechen. Die Planung von Aktionen gehöre genauso dazu wie Besuche, beispielsweise zum Fastenbrechen während des Ramadans. „Wir müssen lokal denken, nicht in Unterschieden“, meint Demir. Einander kennenzulernen sei dazu der erste Schritt. „Durch die Treffen und die wechselseitige Teilnahme an Festen und Veranstaltungen ist in unserem Umfeld mehr ,Wir‘ entstanden“, formuliert es Kloss. Die Unterschiede im Glauben treten in den Hintergrund, die Scheu vor den „anderen“ sei gesunken. Christen interessierten sich für die Moschee und muslimische Mütter nähmen mit ihren Kindern am Martinszug teil. Sogar die katholischen Weihbischöfe hätten die muslimische Gemeinde in ihre Visitation einbezogen. Dass in Stahldorf alle Beteiligten den Bau des Minaretts begrüßen, sei nicht zuletzt daran abzulesen, dass von allen Seiten Spenden kamen. Aufzubringen sind rund 300000 Euro.


Von Regina Kraus

Veröffentlicht am 29.10.2015

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